YAP Zwischenseminar

Mittwoch, 06.02.2013

Etwa nach der Hälfte meines Freiwilligendienstes hier in Nicaragua wurde es Zeit für ein Zwischenseminar von meiner deutschen Organisation „yap“. Es war ein bisschen schade, dass es genau in der Zeit der Summer School stattfand, da mir diese sehr viel Spaß macht und ich gerne noch ein wenig weiter selbst unterrichtet hätte, statt jetzt bald wieder als Assistenzlehrer in der normalen Schule zu arbeiten. 

                                                Meine 3. Klasse!! :)      

Unser Mentor von yap hatte die wunderbare Idee, das Seminar auf Solentiname zu veranstalten, einer Inselgruppe im Nicaraguasee. Die Anreise war für die Freiwilligen von den verschiedenen Projekten überall in Nicaragua nicht so ganz einfach (drei Freiwillige mussten sogar von Costa Rica anreisen), da Solentiname recht abgelegen ist. Die Mühe hat sich aber definitiv gelohnt. Wir fühlten uns wie im Paradies! Überall tropische Pflanzen, bunte Vögel, ein nettes Hostel auf einer der Inseln direkt am See und mitten im Wald,... Wie man sich vorstellen kann, haben wir unsere Woche dort sehr genossen. Aber trotzdem hatten wir auch viel zu tun – wir waren ja schließlich nicht zum Spaß da! Während dem Zwischenseminar haben wir sehr viel über unseren Freiwilligendienst nachgedacht und geredet, über Probleme und Herausforderungen, die wir schon zu bewältigen hatten oder die noch vor uns liegen und über Ideen und Pläne für die Zukunft. Ich zum Beispiel bin sehr zufrieden mit meiner Arbeit bei La Esperanze, aber manchmal denke ich, dass ich noch viel mehr tun könnte, wenn ich nur zusätzliche Aufgaben zu meiner Arbeit in der Schule finden könnte. Im Moment haben wir Freiwilligen eine Woche frei, bevor der reguläre Unterricht am 11. Februar wieder anfängt. Diese Zeit will ich also nutzen, um im Büro von La Esperanza zu helfen, wo es gerade nötig ist. Ich bin gespannt, was für eine Art Arbeit ich dort verrichten kann.

Nicaragua PräsentationBeim Nachdenken...Der letzte Abend mit typischer Nica Musik

Beim Seminar haben wir außerdem eine sehr interessante Einheit gehabt, bei der es um Projektkreation ging. Wir haben uns in Gruppen überlegt, welche Schritte wir vornehmen müssten, um ein eigenes soziales Projekt in Nicaragua aufzubauen. Natürlich sind wir keine Experten was das Management einer gemeinnützigen Organisation angeht, aber wir konnten doch so einige Ideen sammeln und unser Projekt in groben Zügen planen. Wer weiß, vielleicht können wir es irgendwann sogar in die Realität umsetzen. :)

Clases de Verano

Sonntag, 30.12.2012

Mitte Dezember hat die Summer School für unsere Schüler angefangen. Die Kinder kommen freiwillig dorthin und wir Freiwilligen, zusammen mit den Ayudante, geben jetzt selbst den Unterricht in Spanisch, Mathe, Englisch, Kunst und Sport, jeder in seiner Klasse mit einem Team von Freiwilligen und Ayudante. Zwar ist das jetzt für uns mehr Arbeit, da wir den Unterricht selbst vorbereiten müssen, aber mir gefällt es sehr gut, denn so haben wir deutlich mehr Freiheiten, unsere eigenen Ideen umzusetzen. Damit die Kinder auch ihren Spaß dabei haben, versuchen wir das Lernen zu einem Teil auch spielerisch zu gestalten.

Die erste Woche war noch ziemlich chaotisch und unorganisiert. Wir hatten jeden Tag andere Kinder in der Klasse, immer zwischen 15 und 40 Schülern, da viele sich erst spät entschieden hatten, zur Clase de Verano zu kommen, andere dagegen hatten nach ein paar Tagen anscheinend schon die Motivation verloren und kamen nicht mehr. So war es natürlich schwierig, irgendetwas für den nächsten Tag zu planen und mit fast 40 Kindern in einem Raum war es an manchen Tagen sehr anstrengend. In der zweiten Woche hatte sich dann alles ein wenig beruhigt, ich konnte die meisten Kinder wiedererkennen, da dann doch langsam  immer die gleichen kamen und in dem Team von Freiwilligen und Ayudante in unserer dritten Klasse hatten wir uns mittlerweile auch besser eingespielt.

                    Auf dem Weg zum

                              Beim Englischunterricht

Der 21. Dezember war der letzte Schultag vor Weihnachten. Deshalb gab es eine kleine Weihnachtsfeier mit Tänzen, Verlosungen und Essen. Zuvor hatten wir noch Dekoration für die Klassenräume und den Schulhof gebastelt, wobei die Kinder schon sehr viel Spaß hatten. Am 2. Januar geht der Unterricht dann schon wieder weiter – hoffentlich wieder mit den gleichen Kindern und nicht wieder so chaotisch wie in der ersten Woche!

Die Kinder basteln Dekoration für die Weihnachtsfeier Der dekorierte Schulhof Preise für die Verlosung Und noch mehr Geschenke Alle warten gespannt...   

...und der Gewinner ist... Tanzvorführung der 5./6. Klasse Weihnachtsessen für alle!

Schulausflüge

Freitag, 07.12.2012

So seltsam das auch klingen mag für alle, die sich gerade im verschneiten Deutschland befinden, hier bei uns in Nicaragua fangen bald die Sommerferien an. Als Art Abschluss des Schuljahres hat La Esperanza für die Viert- und Sechstklässler Schulausflüge organisiert, die wir Freiwilligen begleiten durften. Die vierten Klassen hatten ihren Ausflug in Granada selbst, während die sechsten Klassen nach Masaya, die Nachbarstadt, gefahren sind, um sich dort eine Festung anzusehen. Bei vier Schulen, die La Esperanza betreut, mit jeweils zwei vierten bzw. sechsten Klassen hatten wir also sehr viel zu tun mit den Fahrten.

Es fing an mit den Ausflügen für die jüngeren Schüler, die wir morgens an der Schule abgeholt haben. Mit dem Bus sind wir dann ins Zentrum von Granada gefahren. Unsere Tour durch die Stadt begann an der Kirche La Merced, einer der vielen Kirchen von Granada, die mehrmals zerstört und wieder aufgebaut worden waren.

                                                 Iglesia La Merced                  4. Klasse, Freiwillige und Ayudante

Unser nächster Stopp war an der Kathedrale von Granada. Auch hier haben wir einen kurzen Vortrag über die Geschichte der Kirche gehört, um sie uns danach von innen anzuschauen. Am Anfang hatten die Kinder einen Fragebogen bekommen, den sie während des Ausfluges ausfüllen mussten, um sicherzugehen, dass auch alles verstanden wurde. Wer am Ende die meisten Fragen richtig beantwortete, bekam einen Preis. So waren die Schüler sehr interessiert an allem, was ihnen über die verschiedenen Kirchen erzählt wurde, auch wenn ich zum Teil das Gefühl hatte, dass die Themen ein wenig trocken waren für eine vierte Klasse.

                                                 Vor der Kathedrale Fragebögen ausfüllen                 

Als nächstes ging es dann weiter zum Antiguo Convento de San Francisco, einem ehemaligem Kloster, das heute ein Museum für präkolumbianische Geschichte ist. Die Kinder haben hier etwas über die Lebensweise der Bevölkerung aus dieser Zeit gelernt, über religiöse Rituale und Spiele.

                                             Vor dem Antiguo Convento Freiwillige und Schüler vor dem Convento Im Museum

Nach all den Informationen, die die Schüler bis dahin zu verarbeiten hatten, sind wir für ein Picknick in den Parque Xalteva gefahren. Dort durften die Kinder spielen und es wurden die Gewinner der Fragebögen bekanntgegeben. Fast noch mehr als über die kleinen Preise haben sich die Kinder allerdings dann über das Essen gefreut. Wir Freiwilligen hatten schließlich am Morgen auch schon um 7 Uhr im Büro von La Esperanza sein müssen, um geschätzte 80 Sandwiches zu schmieren! Dazu gab es noch Kekse, Bananen und Getränke. Schließlich sind wir dann alle müde, satt und zufrieden wieder zurückgefahren.

                               Sandwiches schmieren im Büro             Ausruhen im ParkWer weiß die Antwort und bekommt den Preis??

Es war für mich ein recht interessanter Ausflug, da ich selbst noch vieles über Granada gelernt habe, und auch die Kinder schienen insgesamt ihren Spaß gehabt zu haben. Ich muss allerdings zugeben, nachdem wir den gleichen Ausflug mit der dritten Klasse gemacht hatten, war ich doch ganz froh, dass es der letzte war :P

Den Ausflug der sechsten Klasse zur Festung Coyotepe konnte ich dann leider nicht mitmachen, da ich genau in dieser Woche Dengue-Fieber bekommen habe. Das war sehr schade. Jetzt geht es mir aber längst schon wieder gut und ich freue mich schon auf die neuen Aufgaben, die wir ab nächster Woche bekommen werden. Da fängt nämlich die "Sommerschule" an, die die Schüler freiwillig während den Ferien besuchen können. Davon werde ich späternatürlich noch genauer berichten.

Reisen und ganz viele Fotos

Sonntag, 11.11.2012

Natürlich besteht das Leben der Freiwilligen nicht nur aus Schule, wie man sich vorstellen kann. Wir haben am Wochenende schon öfters mit mehreren zusammen Ausflüge gemacht, denn hier in Nicaragua gibt es so viel zu sehen! Darum gibt es hier jetzt mal ein paar Fotos von einigen Orten, die wir besucht haben.

 Masaya

Eine nette Kleinstadt in direkter Nähe von Granada. Hier gibt es einen großen Markt, auf dem man alles bekommt, von Haushaltsgegenständen und Lebensmitteln über Unterwäsche und Hygieneartikeln bis hin zu Souvenirs, Spielzeug und Hängematten.

                                  Coole Stühle in einem Café ;) Mmmmh! Auf dem Touristenmarkt

 Volcan Mombacho

Der Aufstieg auf den etwa 10 km von Granada entfernten Vulkan war unglaublich anstrengend, da die Straße steil nach oben führt. Oben angekommen bietet sich aber ein wunderschöner Ausblick über das Land, Granada und den See mit den Isletas. Außerdem ist der Mombacho von Regenwald bewachsen, durch den abenteuerliche Wege hindurchführen.

 Da ging es noch nicht bergauf... ...hier wurde es dann anstrengend Ganz schön steil! (Erkennt man leider nicht gut) Oben im Regenwald Da sind wir rauf gelaufen! :) Einer der Vulkankrater Aussicht auf Granada

  San Juan del Sur

...ist die Touristen“stadt“ schlechthin. Das Örtchen scheint fast nur aus Hostels und Restaurants zu bestehen, ist aber der perfekte Ausgangspunkt zu wunderschönen Stränden. Playa Maderas zum Beispiel ist ein ruhiger Strand, den wir sozusagen für uns alleine hatten. Wir haben dort einfach die Sonne und das Meer genossen und konnten den beeindruckenden Wellen zusehen.

Playa Maderas Playa Maderas2 Strand von San Juan de Sur ... und die Restaurants Eine kühle Erfrischung :) Und hier ein ungewöhnlicher Fahrgast :P

 Las Isletas

Die Isletas sind eine Gruppe von 365 Inseln im Nicaraguasee direkt bei Granada. Viele dieser Inseln gehören einigen der reichsten Familien Nicaraguas, die dort eine kleine Villa haben. Eine der Inseln dagegen ist lediglich von einigen Affen bewohnt. Auf einer Bootstour haben wir einige unglaubliche Anblicke zu sehen bekommen, man hat fast schon das Gefühl, sich im Paradies zu befinden!

  Viel Platz für fünf Leute in so einem Boot... Granada aus der Ferne Eine der Inseln Eine andere Insel mit Villa Die gefällt mir besonders gut :) Und hier wohnen nur die Affen Zwischenstopp in einem Restaurant Schwimmen!! :) Rückfahrt bei Regen

Volcan Masaya

Erst 2008 zuletzt ausgebrochen gibt es auf diesem Vulkan zwar nicht viel Vegetation, aber den Rauch aus dem Krater aufsteigen zu sehen ist auch ein beeindruckender Anblick. Außerdem hat man von oben einen tollen Ausblick über die Landschaft.

Einer der Krater des VulkansHier der aktive KraterWir mit schicken Helmen ;)

 Granada

In und um Granda selbst gibt es auch das ein oder andere zu sehen. An einem Tag zum Beispiel haben wir das Antiguo Convento de San Francisco besucht, ein ehemaliges Kloster, dessen Räume jetzt zur Ausstellung von Bildern und historischen Objekten dienen.                         

Das Antigua Convento de San Francisco  Der Innenhof präkolumbianische Steinfiguren

Vom Glockenturm der Iglesia La Merced hat man einen schönen Blick über Granada.

Im Hintergrund die Kathedrale von Granada

Nicht weit außerhalb der Stadt liegt die Laguna de Apoyo. Egal wo man hinschaut, ist der ehemalige Vulkankrater von Grün überwachsen und wenn die Sonne scheint strahlt das Wasser geradezu blau. Die Temperatur ist übrigens perfekt, das Wasser ist wunderbar warm aber gerade noch kühl genug, um erfrischend zu sein. In einem der Restaurants am Ufer kann man gemütlich in der Hängematte liegen, während man sich von der schönen Natur berauschen lässt. Auf der anderen Seite der Lagune gibt es außerdem einen tollen Aussichtspunkt und einen abenteuerlicen Wanderweg durch den Wald runter zum Wasser.

Aussicht auf die Lagune Das war unser Weg nach unten...Unterwegs im Wald Endlich am Wasser angekommen!

 

Leon

… ist eine der größten Städte in Nicaragua. Auch hier, wie in Granada, sind viele Gebäude noch im Kolonialstil. Allerdings ist die Stadt nicht so bunt und es gibt viel mehr Verkehr in Leon. Generell scheint die Stadt belebter zu sein. Genauso gibt es viel mehr Museen und kulturelle Angebote, aber trotzdem schien es mir, als gäbe es dort deutlich weniger Touristen als in Granada, was durchaus mal angenehm war. Leons Lage ist außerdem sehr praktisch, da es nicht weit entfernt mehrere Vulkane gibt und auch der Strand ist leicht erreichbar.

Iglesia de la Recolección  Die Kathedrale - die größte Mittelamerikas Auf dem Dach der Kathedrale Aussicht vom Dach Im Innern der Kathedrale

Einen Tag habe ich zum Beispiel in Las Penitas verbracht, wo es zwar nette Restaurants und Bars gibt, man den Strand aber trotzdem fast für sich hat. Die perfekte Mischung also. Besonders beeindruckend war der Sonnenuntergang.

Strand Las Penitas bei Leon Sonnenuntergang am Strand Sonnenuntergang

"Ich weiß, dass ich nichts weiß"

Mittwoch, 07.11.2012

7. November – Das heißt, ich bin jetzt seit genau drei Monaten in Nicaragua. Ich fühle mich wirklich schon wie zu Hause. Ich habe meinen Alltag in der Schule, wo ich die Kinder meiner Klasse jetzt auch besser kenne; beim Kochen bin ich schon seit einer Weile kreativer geworden und beschränke mich nicht nur auf Basisrezepte (unter anderem habe ich schon ein paar Nica Rezepte ausprobiert); im Stammlokal von La Esperanza, in dem wir jede Woche ein Treffen mit allen Freiwilligen abhalten, kennt der Kellner sogar schon meinen Namen und auf der Straße werde ich öfters mal von Leuten gegrüßt, die mich wiedererkennen.

Andererseits habe ich oft genug immer noch das Gefühl, nicht viel über das Land und die Leute zu wissen. Schließlich wohne ich in einem Haus nur mit anderen Freiwilligen zusammen und es ist erstaunlich schwierig, mehr als flüchtige Kontakte zu Leuten außerhalb der Organisation aufzubauen. Vom Alltag der Nicaraguaner bekomme ich also leider wenig mit, außer dem, was ich auf der Straße zu sehen bekomme. Zur Schule fahre ich mit dem Fahrrad jeden Tag durch die äußeren Stadtviertel von Granada, wo unübersehbar ist, dass hier mehr Armut herrscht, als im Rest der Stadt. Viele Häuser sind improvisiert aus verschiedenen Materialien zusammengebaut oder drängen sich auf einem winzigen freien Stück Land. Andere Häuser dagegen sind aus Beton, bunt bemalt und haben sogar eine Terrasse und einen eingezäunten Garten. Ein Wasseranschluss ist allerdings im ganzen Viertel nicht vorhanden. Strom gibt es aber schon und wie es scheint, besitzt auch jede Familie einen Fernseher.

All dies sind Dinge, die sich von außen leicht beobachten lassen. Aber was das wirklich für die Menschen bedeutet, wie sie mit ihren alltäglichen Problemen umgehen und was sie vielleicht auch für Lösungen finden für Dinge, die für mich auf den ersten Blick unvorstellbar erscheinen, kann ich noch längst nicht einschätzen. Dafür reicht ein flüchtiger Blick als Außenstehender eben doch nicht aus.

Ich bin froh, dass mir noch einige Monate in Nicaragua bleiben, denn erst mit der Zeit fallen mir bestimmte Dinge auf, auf die ich vorher nicht geachtet habe. Am Anfang ist schließlich noch alles neu und es gibt so viel zu sehen. So hoffe ich, dass ich bald noch mehr Möglichkeiten bekomme, tiefere Einblicke zu gewinnen, um die Lebensweise der Menschen besser verstehen zu können.

7. November – Das heißt, ich bin jetzt seit genau drei Monaten in Nicaragua. Ich fühle mich wirklich schon wie zu Hause. Ich habe meinen Alltag in der Schule, wo ich die Kinder meiner Klasse jetzt auch besser kenne; beim Kochen bin ich schon seit einer Weile kreativer geworden und beschränke mich nicht nur auf Basisrezepte (unter anderem habe ich schon ein paar Nica Rezepte ausprobiert); im Stammlokal von La Esperanza, in dem wir jede Woche ein Treffen mit allen Freiwilligen abhalten, kennt der Kellner sogar schon meinen Namen und auf der Straße werde ich öfters mal von Leuten gegrüßt, die mich wiedererkennen.

Andererseits habe ich oft genug immer noch das Gefühl, nicht viel über das Land und die Leute zu wissen. Schließlich wohne ich in einem Haus nur mit anderen Freiwilligen zusammen und es ist erstaunlich schwierig, mehr als flüchtige Kontakte zu Leuten außerhalb der Organisation aufzubauen. Vom Alltag der Nicaraguaner bekomme ich also leider wenig mit, außer dem, was ich auf der Straße zu sehen bekomme. Zur Schule fahre ich mit dem Fahrrad jeden Tag durch die äußeren Stadtviertel von Granada, wo unübersehbar ist, dass hier mehr Armut herrscht, als im Rest der Stadt. Viele Häuser sind improvisiert aus verschiedenen Materialien zusammengebaut oder drängen sich auf einem winzigen freien Stück Land. Andere Häuser dagegen sind aus Beton und haben sogar eine Terrasse und einen eingezäunten Garten. Ein Wasseranschluss ist allerdings im ganzen Viertel nicht vorhanden. Strom gibt es aber schon und wie es scheint, besitzt auch jede Familie einen Fernseher.

All dies sind Dinge, die sich von außen leicht beobachten lassen. Aber was das wirklich für die Menschen bedeutet, wie sie mit ihren alltäglichen Problemen umgehen und was sie vielleicht auch für Lösungen finden für Dinge, die für mich auf den ersten Blick unvorstellbar erscheinen, kann ich noch längst nicht einschätzen. Dafür reicht ein flüchtiger Blick als Außenstehender eben doch nicht aus.

Ich bin froh, dass mir noch einige Monate in Nicaragua bleiben, denn erst mit der Zeit fallen mir bestimmte Dinge auf, auf die ich vorher nicht geachtet habe. Am Anfang ist schließlich noch alles neu und es gibt so viel zu sehen. So hoffe ich, dass ich bald noch mehr Möglichkeiten bekomme, tiefere Einblicke zu gewinnen, um die Lebensweise der Menschen besser verstehen zu können.

September

Dienstag, 09.10.2012

Heute Morgen sitze ich zum ersten mal seit den letzten zwei Monaten in langer Hose und langem Shirt beim Frühstück. Schon ein seltsames Gefühl... Es regnet in Strömen, wie schon die ganze Nacht über und deswegen ist es heute etwas kühler als sonst. Wegen dem Regen haben wir auch heute Vormittag keine Schule – die perfekte Gelegenheit also, mal endlich wieder einen neuen Blogeintrag zu schreiben! Bei Regen ist es nämlich für viele Kinder nicht so einfach, zur Schule zu kommen. Viele Straßen in den äußeren Stadtvierteln sind nicht befestigt und bei diesem Wetter sehr unwegsam. Außerdem haben die meisten Schüler keine Regenkleidung, weswegen die Eltern ihre Kinder nicht aus dem Haus schicken, damit sie nicht krank werden. Man darf sich allerdings jetzt nicht vorstellen, dass wir andauernd wegen Regen keine Schule haben. Es regnet zwar mehr oder weniger jeden Tag, aber normalerweise nur nachmittags. Es ist also das erste mal für mich, dass ich deswegen nicht zur Schule gehen kann.

                                              Ein Wasserfall in unserem Garten!

Schulfest in La Inmaculada

Im letzten Monat hat sich bei uns wieder einiges getan. Vor zwei Wochen gab es zum Beispiel ein Fest in einer Schule, die vor einigen Jahren von La Esperanza unterstützt wurde, da ein Mitgründer von La Esperanza vor kurzem verstorben ist. Er hat lange Zeit in der Schule La Inmaculada gearbeitet und zu     seinen Ehren gab es dort jetzt ein Fest für die Kinder. Die Ayudante von La Esperanza und viele Freiwilligen haben sich dazu bereiterklärt, dabei zu helfen. Also sind wir morgens zusammen mit dem Fahrrad dorthin gefahren. Das an sich war schon fast ein kleines Abenteuer. Die Schule liegt nämlich weiter außerhalb als die momentanen Schulen von La Esperanza und die Straßen sind schwierig zu befahren. Zum Teil war der Weg so steil und uneben, dass wir die Fahrräder schieben mussten. Ich konnte mir kaum vorstellen, dass dort überhaupt Autos hätten fahren können. Allerdings fanden wir, als wir in der Schule ankamen, zwei riesige Boxen vor, durch die Musik gespielt wurde (diese darf natürlich in Nicaragua auf keinem Fest fehlen!). Anscheinend gibt es also doch einen Weg, auf dem Autos zu der Schule fahren können.

       Alle Schüler, Ayudante und FreiwilligenSackhüpfen

Den ganzen Vormittag lang haben wir mit den Kindern Spiele gespielt wie Sackhüpfen, Stopptanz und vieles mehr. Beim Tanzwettbewerb war nicht zu übersehen, dass schon die Kleinsten den Rhythmus irgendwie im Blut zu haben scheinen. Das war wirklich ein unglaublicher Anblick, wie die Erstklässler schon tanzen können. Am Ende gab es sogar noch Eis für alle und wir Freiwilligen haben uns mindestens genau so darüber gefreut, wie die Kinder! Insgesamt war es also ein sehr erfolgreicher Tag und die Kinder hatten sehr viel Spaß.

           Vorschulkinder beim Tanzen! 

                                         nochmal Vorschulkinder beim Spielen

Krankheit

Etwas nicht ganz so erfreuliches ist allerdings auch dazwischen gekommen. Vor drei Wochen war ich zum ersten Mal in Nicaragua ziemlich krank, mit Fieber, Übelkeit und allem, was dazu gehört. Es ging mir aber zum Glück sehr schnell schon wieder besser nachdem ich beim Arzt war und eine ganze Reihe verschiedener Medikamente verschrieben bekam. Am Ende der Woche, in der ich die ganze Zeit nicht arbeiten konnte, war mir dann schon ziemlich langweilig. In der nächsten Woche habe ich mich richtig gefreut, endlich wieder was tun zu können! Dafür ging es dann der Reihe nach immer Jemand anderem schlecht... Lässt sich nur hoffen, dass das auch bald wieder vorbei ist und alle ganz gesund sind.

 

Freiwillige und Schule

Seit zwei Wochen haben wir außerdem wieder sehr viele neue Freiwillige, die aus Norwegen, Schweden, England, Wales, Deutschland, Spanien und den USA kommen. Wie man sieht also eine bunte Mischung. In der Schule überrasche ich mich jetzt manchmal selbst, wie viel ich mittlerweile verstehe. Andererseits denke ich mir dann, dass ich schließlich schon zwei Monate hier bin und langsam auch mal solche Erfolge sehen will ;) Gestern habe ich für die Kinder Bastelsachen mitgebracht und alle waren sofort begeistert. Für den Matheunterricht haben wir Würfel gebastelt, wobei die Schüler sehr viel Spaß hatten.

Ich habe jetzt auch erfahren, warum es mit dem Unterricht häufig nicht so gut läuft oder er oft ausfällt. Das Schulsystem in Nicaragua ist nämlich leider nicht so gut, wie man es sich wünschen würde. Die Lehrer werden zum Beispiel ziemlich schlecht bezahlt und sind meist auf einen Zweitjob angewiesen. Man kann es ihnen also gar nicht wirklich verübeln, dass sie nicht immer mit ganzer Motivation ihren Unterricht leiten oder auch schonmal früher gehen müssen, um ihren anderen Job wahrzunehmen. Natürlich macht es die Sache für die Kinder nicht besser, aber man kann das Motiv der Lehrer immerhin nachvollziehen. Ich will damit auch nicht sagen, dass die Lehrer im allgemeinen schlecht sind. In meiner nachmittags Klasse zum Beispiel sind die Kinder sehr fleißig und die Lehrerin erklärt die Aufgaben immer so, dass jedes Kind sie auch versteht. In Deutschland gibt es schließlich auch bessere und nicht so gute Lehrer. Mit einem besser organisierten Schulsystem wäre den Kindern und Schulen in Nicaragua allerdings sehr geholfen.

1. und 2. Arbeitswoche in der Schule

Freitag, 07.09.2012

Meine erste Arbeitswoche in der Schule habe ich gut überstanden ;)

Letzte Woche Montag gab es zuerst einen Einführungstag für alle neuen Freiwilligen. Wir haben uns die vier Schulen von La Esperanza im Vorstadtgebiet von Granada angeschaut, um einen ersten Eindruck zu bekommen. Insgesamt gehen etwa 2000 Kinder in die Schulen, die von La Esperanza unterstützt werden. Es gibt neben den Freiwilligen, die momentan aus den USA, Deutschland, Holland und Spanien stammen, auch viele nicaraguanische „Ayudante“, die in den Schulen arbeiten. Sie bekommen im Austausch für ihre Hilfe ein Stipendium für die Uni. Ihre Kurse haben sie dann am Wochenende.

    Die Schule Jose de la Cruz Mena       Kinder draußen beim Englischunterricht mit einer Freiwilligen

Am Dienstag, meinem ersten „richtigen“ Arbeitstag, wurde ich einer zweiten Klasse in einer der vier Schulen zugeteilt. Diese habe ich jeden Vormittag, nachmittags helfe ich in einer anderen zweiten Klasse. Die Kinder haben mich sofort neugierig begrüßt, aber leider habe ich nicht viel verstanden von dem, was sie mir alles auf Spanisch erzählen wollten. Daran werde ich noch arbeiten müssen. Mit den Matheaufgaben konnte ich aber trotzdem helfen, da ich mich auf einfache Wörter beschränkt habe. Ich war am Anfang etwas unsicher, da ich noch nicht genau wusste, was ich zu tun hatte und was von mir erwartet wurde.

In der Mittagspause hatten wir mit allen Freiwilligen und Ayudante zusammen ein Picknick. Das findet jeden Dienstag statt, um sich untereinander besser kennenzulernen und etwas Zeit miteinander zu verbringen. Jeder bringt dazu etwas zu Essen mit, das dann geteilt wird.

     Die Freiwilligen und Ayudante beim

Mittlerweile hatte ich schon genug Zeit, mich ein wenig an den Unterricht zu gewöhnen – auch ohne alles zu verstehen. ;) Ich kann zum Beispiel jetzt besser einschätzen, welche Kinder mehr Hilfe brauchen als andere. Sie sind nämlich zum Teil auf einem sehr unterschiedlichen Niveau, was den Unterricht auch für die Lehrer etwas schwieriger macht.

Leider fällt auch immer sehr viel Unterricht aus (was man zum Teil ja auch von Deutschland kennt ;) ). Mal haben die Lehrer ein Treffen, mal kommen kaum Kinder, weil es regnet. Einmal war meine Vormittags Klasse nicht da und der Lehrer sagte mir, die Kinder aus dieser Klasse hätten an dem Tag frei. Warum habe ich aber nicht erfahren. Alles durchschaue ich also noch längst nicht.

Diese Woche ist besonders viel ausgefallen. Am Mittwoch gab es morgens ein Erdbeben. Hier in Granada haben wir davon kaum etwas mitbekommen. Wir sind also ganz normal zur Schule gefahren und haben mit dem Unterricht angefangen. Nach einer Stunde wurden dann alle Kinder zur Sicherheit aber doch wieder nach Hause geschickt. Die ganze Woche hatten wir danach keine Schule mehr. An den Küsten hatte es zeitweise sogar Tsunami Warnungen gegeben. Passiert ist aber zum Glück am Ende nichts. Es muss sich also Niemand Sorgen um mich machen ;). Jetzt lässt sich nur noch abwarten, wie es nächste Woche dann mit der Schule weitergeht.

Nachtrag(26.8.): Casa Santa Lucia

Mittwoch, 05.09.2012

                                Der

Am Wochenende bin ich endlich in mein (endgültiges) zu Hause für die nächsten neun Monate gezogen. Mein Zimmer ist super! Und ich habe sogar mein eigenes Badezimmer. Von Anfang an habe ich mich dort mehr zu Hause gefühlt als im anderen Haus. La Libertad ist zwar auch schön und es ist immer was los, aber auf Dauer habe ich es lieber etwas ruhiger. Abends können wir die anderen Freiwilligen ja trotzdem noch besuchen gehen - was wir natürlich auch oft tun. Mit fünf Leuten (zwei Holländern und drei Deutschen) ist das Haus jetzt voll. Eine ganz angenehme Anzahl.

  Vorher...                         ...nachher.                                                 

                                                                   

                                                                             

                            

Neuigkeiten

Freitag, 24.08.2012

Zuerst möchte ich mich mal für die schlechte Verbindung entschuldigen. Leider konnte ich die Website selber auch in letzter Zeit oft nicht aufrufen. Hoffenltich bessert sich das in nächster Zeit.  

Jetzt kommt aber mal wieder ein Update. Morgen werde ich in das andere Freiwilligenhaus umziehen, also in mein eigenes Zimmer! Da freue ich mich schon drauf, denn dann kann ich endlich alle meine Sachen aus dem Koffer auspacken, was ich bisher noch nicht gemacht habe. Morgen werde ich auch meine letzte Spanischstunde haben. Die Gespräche mit meiner Spanischlehrerin werde ich sicher vermissen, auch wenn ich oft Dinge pantomimisch darstellen musste, um mich verständlich zu machen. Spaß gemacht hat das aber auf jeden Fall, obwohl es natürlich immer sehr anstrengend war, sich so viel auf einmal merken zu müssen. Am Montag geht dann für mich das "richtige Leben" hier los. Ich bin sehr gespannt, wie es in der Schule sein wird und ob ich genug Spanisch verstehe, um mit den Kindern reden zu können.

 

                                                      

Vom letzten Wochenende habe ich hier noch ein paar Fotos. Am Sonntag war in Granada nämlich "Hípica", ein großes Fest, bei dem die Leute aus der Umgebung ihre Pferde vorführen konnten.            

               

Die Straßen waren voll von Leuten - und Pferden natürlich - und es war richtig was los! (Das erkennt man auf diesen Fotos nicht so gut, war aber so ;) )

Casa La Libertad

Dienstag, 14.08.2012

Im Moment wohne ich noch in "La Libertad", dem größten Freiwilligenhaus der Organisation. Es ist außerdem genau neben dem Büro und direkt beim Parque Central, also der touristischen Innenstadt. Die perfekte Lage also. Man kann sogar nachts noch alleine rausgehen, da die Straßen immer noch einigermaßen belebt sind.

  Der Eingangsbereich IIDer Eingangsbereich mit TV und PCUnser Innenhof   

In zwei Wochen werde ich aber umziehen in ein anderes Freiwilligenhaus. Santa Lucia ist genau so schön wie La Libertad, aber kleiner, also auch gemütlicher. Und das Wichtigste: Dort werde ich ein Einzelzimmer haben statt mir das Zimmer mit drei Leuten zu teilen. Für neun Monate wird das schon ganz angenehm sein. Das andere Haus ist zwar ein paar Straßen weiter von der Innenstadt entfernt, aber ich denke es wird sich lohnen.

Die TerrasseDer Hof bei RegenUnsere riesige Terrasse! Ganz hinten ist noch die Küche zu sehen.

Alle Freiwilligen, die hier wohnen, dürfen etwas kreatives an der Wand hinterlassen. Ein paar Sachen kann man vielleicht hier schon erkennen.

Innenhof IIDas ist so zu sagen das Badezimmer  Mein Zimmer, das ich mir mit drei anderen Freiwilligen teile

Auf dieser Seite werden lediglich die 10 neuesten Blogeinträge angezeigt. Ältere Einträge können über das Archiv auf der rechten Seite dieses Blogs aufgerufen werden.